Die Geschichte der MK Göttingen (Teil 2): Kriegs- und Nachkriegszeit (1914 bis 1922)

Zu Weihnachten 1914 wurde allen einberufenen Kameraden ein Weihnachtspaket im Werte von ca. 3,00 Reichsmark zugesandt.

Am 23. Januar 1915 fand die letzte Kriegsversammlung des Vereins statt, da inzwischen alle Mitglieder bis auf sechs, die die Altersgrenze überschritten hatten, einberufen worden waren, darunter der gesamte Vorstand. Kamerad Wilhelm Knop, der von 1906 bis 1910 erster Vorsitzender gewesen war, übernahm nun die gesamte Vorstandsarbeit und bewahrte den Verein vor der Auflösung.

Die Mitglieder des Marine-Vereins Göttingen waren im Krieg auf Schlachtschiffen, Kreuzern, Torpedo-Booten, U-Booten, Minensuchern und auch bei Marine-Luftschiffen und Seeflugzeugen eingesetzt.

Sie kämpften auf fast allen Kriegsschauplätzen der Marine, mit Ausnahme des ostasiatischen Kreuzergeschwaders, beim Handelsschutz in der Ostsee, in Flandern, auf den Dardanellen und auf den Hilfskreuzern „Wolf" und „Möve".

Göttinger waren bei den Angriffen auf England, bei Helgoland, bei der Doggerbank, in der Skagerrakschlacht, beim Öselunternehmen, an der Yserfront, auf U-Booten im Adriatischen Meer, an Bord der S.M.S. „Breslau" und „Goeben" im Mittelmeer und Schwarzen Meer dabei. Einige waren bei den Marine-Behörden in der Heimat und beim Admiralsstab beschäftigt.

Obgleich die meisten Mitglieder immer in vorderster Front eingesetzt waren, hatte der Verein keinen Gefallenen zu beklagen. Vier Kameraden, darunter der erste Vorsitzende Nicolai und der erste Kassierer Welge, starben durch Unfälle oder Krankheiten.

Im Jahre 1915 hatte sich in Wil-helmshaven ein Stammtisch aus einberufenen Mitgliedern des Marinevereins Göttingen gegründet, an dem die Kameraden trotz des Krieges manche frohe Stunde verlebten.

Gesunkenes Ansehen

Am 1. März 1919 berief der 2. Vorsitzende, Kamerad Emme, die erste Nachkriegsversammlung ein, die von 15 Mitgliedern besucht war. Als Folge der Matrosenaufstände im November 1919 in Kiel war im Binnenland das Ansehen der Marine gesunken. Die Kameraden hatten Anfeindungen der Bevölkerung und zum Teil auch von Kriegervereins-Kameraden zu erleiden.

Deshalb glaubten einige Kameraden, bei der damaligen Stimmung in der Bevölkerung wäre es wohl besser, den Marine-Verein aufzulösen.

Dem widersprachen besonders die Kameraden Emme und Schneemann. Sie wiesen darauf hin, dass es besonders notwendig sei, den Verein bestehen zu lassen und durch Aufklärung der Verhältnisse und Zusammenhänge das Ansehen der Marine im Publikum, wieder zu heben.

Einstimmig wurde danach beschlossen, den Marine-Verein Göttingen weiter zu führen. Die Neuwahl des Vorstands hatte folgendes Ergebnis:
1. Vorsitzender: Riedel,
2. Vorsitzender: Emme,
1. Schriftführer: Kant,
1. Kassierer: Deppe,
2. Schriftführer: Knoke,
2. Kassierer: Schlote.
Fahnenträger blieb Brunke.

Der Verein hatte noch 41 Mitglieder, nahm aber bald in jeder Beziehung einen erfreulichen Aufschwung. Die Mitgliederzahl stieg von Versammlung zu Versammlung, die innere Organisation wurde ausgebaut und gefestigt und das Ansehen bei der Göttinger Einwohnerschaft stieg wieder. Auch das Verhältnis zu den anderen Krieger-Vereinen und den höheren Organisationen wurde bald wieder das denkbar Beste.

Am 9. August 1919 siedelte der Verein in den „Braunschweiger Hof" am Waageplatz über (heute Theologisches Seminar), weil diese Gaststätte von einem Kameraden geführt wurde. Leider wurde der „Braunschweiger Hof" bereits im folgenden Jahr geschlossen, nachdem das Grundstück an die Reformierte Gemeinde verkauft worden war. Infolgedessen wurde das Vereinslokal vom 8. Dezember 1920 an in die „Alte Fink" in der Nikolaistraße verlegt.

Flaggen beschafft

Von 1920 an wurden im Winter Vortragsabende und Besichtigungen eingeführt. Schon im April 1921 war mit 64 Kameraden die Vorkriegsmitgliederzahl überschritten. Die Aufnahmefähigkeit wurde auf ehemalige Schutztruppenangehörige ausgedehnt. Im gleichen Jahr wurden eine große und eine kleine Kriegsflagge (Gaffel- und Bootsflagge) beschafft. Letztere wurden auch bei Beerdigungen von Kameraden zum Bedecken des Sarges benutzt.

Nach Unstimmigkeiten mit dem Vereinswirt, Kamerad Achilles, wurde das Vereinslokal ab 8. April 1922 in den „Reichshof" am Ritterplan verlegt.

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